Mehrkampf, Teamwettbewerb und Einzel: So blicken Deutschlands Turner auf die European Championships

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TUM-Reporterinnen Milena Kreber (l.) und Lena-Marie Hemmers (r.) mit Glenn Trebing
Auch Andreas Toba stand Michelle Brey Rede und Antwort

Die deutschen Turnerinnen Elisabeth Seitz und Emma Malewski haben es vorgemacht: Bei den European Championships feierten sie vor heimischem Publikum ihren EM-Titel. Ab Donnerstag (18. August, 17.07 Uhr) wird es auch für die Herren ernst. Für Deutschland an den Start gehen: Nils Dunkel, Lukas Dauser, Andreas Toba, Lucas Kochan und Glenn Trebing. Am Montag (15. August) trafen wir die Turner nach ihrem Training am TUM Campus im Olympiapark. Mehrkampf, Teamwettbewerb und Einzel stehen auf dem Programm.

„Die Vorbereitung lief ziemlich gut – da kann ich, glaube ich, für das ganze Team sprechen“, sagte Nils Dunkel. Bis zum Wochenende befanden sich die Turner im Trainingszentrum Kienbaum im Pre-Camp. Dort konnte das Team „nochmal ein bisschen Feinschliff machen“, so der 25-Jährige weiter. „Die Atmosphäre in der Vorbereitung war gut“, erklärte auch Andreas Toba im Gespräch. Normalerweise sei er immer ein bisschen wehmütig, aus Kienbaum loszumüssen. Dieses Mal sei das jedoch anders gewesen. „Jetzt war es wirklich so, dass ich richtig Bock hatte, hierher zu kommen. Ich freue mich total, dass wir hier sein können und, dass ich auch das Privileg habe, hier zu sein. Die Mannschaft hat eine sehr coole Stimmung gemacht und wir freuen uns einfach auf den Wettkampf.“

Ganz so leicht waren die vergangenen Monate jedoch nicht für den 31-Jährigen. „Es ist auf jeden Fall ein sehr schwieriges halbes Jahr gewesen“, blickte Toba zurück. Es seien immer wieder Kleinigkeiten zusammengekommen, die ihn zu einer Trainingspause gezwungen haben. „Im Vergleich dazu bin ich wahrscheinlich bei 1000 Prozent. Es wird von Tag zu Tag besser, ich fühle mich immer wohler und mein Körper macht jeden Tag etwas besser mit.“ Nun hoffe er, gesund durchzukommen und seine Übungen „vernünftig“ durchzubringen.

Vergangenes Jahr holte der Turner bei der Europameisterschaft die Silbermedaille am Reck. Auf die Frage, wie hoch er seine Chancen sehe, dies 2022 zu wiederholen, sagte er: „Ich glaube, daran sollte man gar nicht großartig denken. Das letzte Jahr war echt cool. Man muss aber auch sagen, es gehört immer ein bisschen Glück mit dazu, aber natürlich auch viel harte Arbeit.“ Er sei nun hier, um „so gut wie möglich zu turnen“.

Ähnliche Worte fand auch sein Turnkollege Lukas Dauser. Der 29-Jährige hatte zuletzt bei den Olympischen Spielen eine Silbermedaille geholt und sich bei den Deutschen Meisterschaften den Mehrkampftitel geholt. Für Dauser sind die European Championships in München ein echtes Heimspiel. Die EM sei für ihn „etwas ganz Besonderes“, sagte er. „Ich habe hier 18 Jahre gelebt und mein Abi gemacht, bin danach nach Berlin. Ich habe hier noch viele Freunde und Familie. Die werden auch am Donnerstag in der Halle sein“, so Dauser. Dann versuche er, in der Münchner Olympiahalle „einfach gut zu turnen“. Chancen für seine Kollegen und sich sieht er auf jeden Fall. „Ich glaube, wenn wir gut turnen, können wir auch vorne mitmischen und am besten auch an allen Wettkampftagen mit von der Partie sein“, fügte er an.

„Möglichst fehlerfrei durchkommen“, will auch der 22-jährige Glenn Trebing. Gemeinsam mit Lucas Kochan (ebenfalls 22 Jahre) ist er der Jüngste im Team. Bei den Deutschen Meisterschaften überzeugte Trebing zuletzt am Barren (zweiter Platz) und im Mehrkampf (dritter Platz). Im Gespräch sagte er mit Blick auf die European Championships: „Im Team wäre der dritte Platz schon schön – aber auch da heißt es, hauptsächlich gut durchzukommen.“

Eine ähnliche Sichtweise vertritt Dunkel. Das Team sei „sehr gut aufgestellt“, es sei „viel möglich“ – doch erst einmal müsse eine entsprechende Leistung gezeigt werden. Würde dann letztlich eine Medaille daraus resultieren, wäre das „schon richtig geil, aber das wird auch eine richtig harte Aufgabe".

Mit den Zuschauer_innen auf ihrer Seite – wie es andere Sportler etwa bei der Leichtathletik, dem Triathlon oder beim BMX-Freestyle erlebten – könnten die Turner noch einmal mehr über sich hinauswachsen. „Die Atmosphäre wird, glaube ich, geil sein und mit dem Publikum im Rücken wird das für uns auch noch ein bisschen geiler, zu turnen“, war sich Toba sicher.


Text: Michelle Brey
Interviews: Lina Lässer, Milena Kreber, Lena Hemmers & Michelle Brey
Fotos: Lina Lässer