EMMA: Evidenzbasierte Maßnahmenentwicklung des BGM/BGF als Modellprojekt für Ambulante Pflegedienste

Auf einen Blick

Das Projekt EMMA befasst sich mit Gesundheitsförderung und Prävention für Mitarbeitende in der ambulanten Pflege, die auf physischer, psychischer und psychosozialer Ebene stark gefordert sind, jedoch bisher eine vernachlässigte Zielgruppe darstellen. Das Projekt wird vom Verband der Ersatzkasse e.V. (vdek) unterstützt und hat eine Laufzeit von Juni 2020 bis Herbst 2023.

Der Aufbau des Projekts folgt den 4 Stufen des Public Health Action Cycles: Ist-Analyse, Maßnahmenentwicklung, -umsetzung und Evaluation. Basierend auf einer Mixed-Methods Ist-Analyse der Belastungen und Ressourcen der Mitarbeitenden in 6 ambulanten Pflegediensten in Bayern werden unter dem Einsatz partizipativer Entscheidungsprozesse Themen der betrieblichen Gesundheitsförderung für eine Maßnahmenentwicklung ausgewählt. Diese Themen werden in 6 evidenzbasiert entwickelten Toolboxen mit je 6-8 Einzelmaßnahmen in der Umsetzungsphase adressiert. Das Maßnahmenpaket wird für die an der Pilotierung teilnehmenden ambulanten Pflegedienste hinsichtlich ihrer Bedürfnisse und Bedarfe maßgeschneidert und im ersten Schritt hinsichtlich der Umsetzbarkeit evaluiert. Jene Maßnahmen, die sich in der Pilotierung als umsetzbar erwiesen haben, werden in einem Rollout in Berlin und Brandenburg nochmals hinsichtlich ihrer Wirksamkeit evaluiert. Ziel des Projekts ist es, nach der dreijährigen Projektlaufzeit ein Maßnahmenpaket vorliegen zu haben, dass sowohl umsetzbar im Berufsalltag von ambulanten Pflegediensten als auch gesundheitlich wirksam ist. Dieses Maßnahmenpaket soll sodann über den Kooperationspartner vdek online allen ambulanten Pflegediensten in Deutschland zur Verfügung gestellt werden.

 

Hintergrund

Bundesweit werden aktuell 24,3% der Pflegebedürftigen (0,83 Mio.) durch einen ambulanten Pflegedienst betreut. Alleine im Zeitraum zwischen 2015 und 2018 ist die Anzahl der durch ambulante Dienste versorgte Pflegebedürftige um 138.000 gestiegen. Parallel zur wachsenden Nachfrage nach ambulanten Pflegeleistungen, wächst auch die Nachfrage an Pflegekräften (aktuell sind deutschlandweit 390.322 Personen für ambulante Pflegedienste tätig), die nicht entsprechend gedeckt werden kann: Drei von vier ambulanten Pflegediensten können die benötigten Personalstellen nicht besetzen. Gleichzeitig zeigen deutschlandweite Erhebungen, dass 69% der aktuell in der Altenpflege Beschäftigten sich nicht vorstellen können ihren Beruf bis zur Rente auszuüben. Als Hauptgrund dafür, warum Mitarbeitende ihre Tätigkeit bei einem ambulanten Pflegedienst aufgeben, werden gesundheitliche Gründe angegeben. Das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz will dieser drohenden Versorgungslücke entgegenwirken. Dabei wird der Prävention und Gesundheitsförderung eine tragende Rolle zugeschrieben. Aktuell kann jedoch für die spezifische Arbeitswelt der ambulanten Pflegedienste weder auf ein an Arbeitsbedingungen und -abläufe angepasstes Implementierungskonzept hinsichtlich Strukturen und Prozesse des BGM/BGF zurückgegriffen werden, noch auf bereits vorhandene, gut evaluierte und praxistaugliche Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention, die für diesen Arbeitsbereich maßgeschneidert sind. Als ein Grund dafür kann das Fehlen einer umfassenden und validen Datenbasis hinsichtlich der spezifischen Arbeitsbedingungen und -abläufe in der ambulanten Pflege sowie bezüglich der damit verknüpften arbeitsbezogenen Belastungen und Ressourcen gesehen werden. Diese Datenbasis soll durch die Ist-Analyse des Projekts EMMA generiert werden. Anschließend sollen maßgeschneiderte Maßnahmen für die Gesundheitsförderung für den ambulanten Pflegesektor entwickelt und evaluiert werden. Schlussendlich sollen die Ergebnisse und Maßnahmen flächendeckend zur Nutzung bereitgestellt werden.

 

Ziele des Projekts

Ziele des Projektes sind (1) arbeitsbezogene psychosoziale und physische Belastungen und Beanspruchungen zu untersuchen und zu reduzieren, (2) arbeitsbezogene Gesundheitsressourcen von ambulanten Pflegekräften zu untersuchen und zu stärken und (3) gesundheitsrelevante Outcomes (z.B. Arbeitsfähigkeit, Arbeitszufriedenheit) positive zu beeinflussen.

 Zusätzlich soll ein national und international relevanter Beitrag zur Interventionsforschung zum Thema Prävention und Gesundheitsförderung im ambulanten Pflegebereich geleistet werden.

 

Umsetzung

(1) Evaluation der Ist-Situation:

Die Ist-Analyse über Belastungen, Ressourcen und Arbeitsbedingungen der ambulanten Pflegekräfte wird mit einem Mixed-Methods-Ansatz bestehend aus 5 methodischen Bausteinen erhoben (Fragebögen, Job-Shadowing, Audiotagebücher, Partizipationsworkshops, Experteninterviews aus dem Fachbereich BGM/BGF).

(2) Maßnahmenentwicklung

Basierend auf den Ergebnissen der Ist-Analyse (Fragebogendaten und Partizipationsworkshops) wurden 6 Themenschwerpunkte identifiziert: 1. Zusammenarbeit fördern; 2. Arbeitsstrukturen neu denken; 3. Selbstpflege leben; 4. Zeitliche Balance gestalten; 5. Körper stärken; 6. Herausfordernde Situationen meistern. Innerhalb dieser Themenschwerpunkte werden jeweils 6-8 Maßnahmen entwickelt, die basierend auf gut evaluierten Ansätze des betrieblichen Gesundheitsmanagements aus Arbeitskontexten mit ähnlichen Charakteristika wie der ambulanten Pflege oder basierend auf nationale und international Best-Practice Projekte entwickelt werden. Zusätzlich werden neue und maßgeschneiderte Maßnahmen konzipiert. Die finale Ausarbeitung der einzelnen Maßnahmen (Ziel, Inhalt, Methodik, etc.) wird in Zusammenarbeit mit Team Gesundheit erarbeitet.

(3) Maßnahmenumsetzung

Die Ausarbeitung der Materialien (z.B. Podcast) für die einzelnen Maßnahmen wird von dem Kooperationspartner Team Gesundheit übernommen. Ebenso werden Trainer:innen von Team Gesundheit die Durchführung der einzelnen Maßnahmen leiten.

(4) Evaluation

a) Umsetzbarkeit

Aufgrund der spezifischen Arbeitsplatzsituation der ambulanten Pflegekräfte (z.B. alleine arbeiten, unterwegs arbeiten etc.) wird in der Pilotierungsphase zunächst die Umsetzbarkeit der Maßnahmen evaluiert. Dabei wird die Evaluation entlang der Taxonomie von Proctor et al. 2011 durchgeführt mit den Bausteinen Akzeptanz, Übernahme, Angemessenheit, Machbarkeit, Kosten, Wiedergabetreue, Durchdringung und Nachhaltigkeit. Dabei kommt ein Mix-Methods-Ansatz zum Einsatz -   bestehend aus Fokusgruppen, Semi-strukturieren Interviews, Fragebögen und Dokumentationsbögen.

b) Wirksamkeit

Die Wirksamkeit wird innerhalb des Roll-Outs evaluiert. Dabei werden die Ziele (1) Reduktion von psychosozialen und physischen Belastungen und Beanspruchungen, (2) Stärkung von arbeitsbezogenen Gesundheitsressourcen und (3) Verbesserung von gesundheitsrelevanten Outcomes überprüft. Hierfür wird ebenfalls eine Mix-Methods Ansatz verwendet.

 

Zeithorizont

Die Projektlaufzeit umfasst ca. 3 Jahre, beginnend im Juni 2020 und endend im Herbst 2023.

 

Teilnehmende Einrichtungen in der Pilotphase

München (städtisches Umfeld)

·         Ambulanter Pflegedienst München Mitte (Hiltenspergerstraße 80, 80796 München)

·         Sozialstation Berg am Laim (Berg-am-Laim-Str.141, 81673 München)

·         Sozialstation Trudering (Truderinger Str. 277, 81825 München)

·         Wohnen im Viertel – Obergiesing (Bayrischzeller Straße 10, 81539 München)

Bayern (ländliches Umfeld)

·         Pflege daheim Seniorenstift Kaufering (Albert-Schweitzer Straße 8, 86916 Kaufering)

·         Ambulante Pflege Cannalonga (Bahnhofstr. 29a, 86938 Schondorf am Ammersee)

·         Ambulanter Pflegedienst Berchtesgadener Land (Salzburger Straße 29B, 83435 Bad Reichenhall)

 

Kontakt

Dr. Doris Gebhard

Sabina Bösl

Julia Neumann