Professur für Behavioral Science for Disease Prevention and Health Care an zwei Aufsätzen in „JAMA Internal Medicine” und „JAMA Network Open” beteiligt

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Das JAMA Network, zu dem die beiden Zeitschriften "JAMA Internal Medicine" und "JAMA Network Open" gehören, ist ein Konsortium von allgemeinmedizinischen und fachlichen Publikationen mit Peer-Review-Verfahren
Prof. Dr. Nikkil Sudharsanan, Leiter der Professur für Behavioral Science for Disease Prevention and Health Care

Bluthochdruck und Diabetes stellen in Indien eine wachsende Herausforderung dar. Bis vor kurzem gab es keine ausreichend großen Datenquellen, um diese beiden Risikofaktoren auf lokaler Ebene zu untersuchen, wo viele gesundheitspolitische Entscheidungen getroffen werden. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Prof. Dr. Nikkil Sudharsanan, Leiter der Professur für Behavioral Science for Disease Prevention and Health Care, nutzte eine neue große Datenbank, um die Diabetes- und Bluthochdruckversorgung in Indien von der nationalen Ebene bis hinunter zur Bezirksebene zu untersuchen.

Die Studie nutzte die Daten der National Family Health Survey (NFHS). Dabei handelt es sich um eine groß angelegte, mehrstufige Erhebung, die in einer repräsentativen Stichprobe von Haushalten in ganz Indien durchgeführt wird. Seit der ersten Umsetzung in den Jahren 1992/93 wurden insgesamt fünf Erhebungsrunden durchgeführt, zuletzt 2019-2021. Dabei wurden rund 1,9 Millionen Erwachsene aus 28 Bundesstaaten, acht Unionsterritorien und 707 Bezirken befragt. Die Ergebnisse liefern landesweite und bundesweite Informationen über Fruchtbarkeit, Säuglings- und Kindersterblichkeit, Familienplanung, Gesundheit von Müttern und Kindern, reproduktive Gesundheit, Ernährung, Anämie sowie Inanspruchnahme und Qualität von Gesundheits- und Familienplanungsdiensten.

„Ein großer Vorteil der Erhebung ist, dass es sich um eine der größten Gesundheitsumfragen handelt, die weltweit jemals durchgeführt wurden“, erklärt Prof. Sudharsanan. „Die Idee war, diese detaillierten Daten zu nutzen, um aktuelle Informationen über den Zustand von Bluthochdruck und Diabetes im Land zu erhalten. Beide Krankheiten sind in Indien wichtig, zumal Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache darstellen. Viele Menschen haben Bluthochdruck, zudem leidet ein sehr schnell wachsender Anteil an Diabetes. Unser Ziel war es daher, eine Momentaufnahme der aktuellen Situation in Indien zu erstellen."

Die Ergebnisse zur Diabetesversorgung von Erwachsenen in Indien wurde mit dem Titel „National Estimates of the Adult Diabetes Care Continuum in India, 2019-2021“ im Journal „JAMA Internal Medicine“ veröffentlicht. Die Fachzeitschrift hat einen Impact Faktor von 44,409. Zudem erschien im Journal „JAMA Network Open“ (Impact Faktor: 13,8) ein Aufsatz zum Thema „Hypertension Diagnosis, Treatment, and Control in India“, welcher sich mit der Hypertonieversorgung beschäftigt.

„Sowohl bei Diabetes als auch bei Bluthochdruck gibt es eine massive Diagnoselücke, die in ländlichen Gebieten noch größer ist“, so der Leiter der Professur für Behavioral Science for Disease Prevention and Health Care. „Es ist aber nicht so, dass jede_r Patient_in nach der Diagnose eine Behandlung annimmt und alle Risikofaktoren unter Kontrolle hat. Auch bei diesen Zwischenschritten gibt es Verluste. Selbst bei den diagnostizierten Personen ist der Anteil derer, die sich in Behandlung begeben, sehr gering.“

Von der Gesamtstichprobe des NFHS wurden bei rund 1,65 Millionen Teilnehmer_innen der Blutzucker gemessen. Bei 6,5 Prozent der Proband_innen wurde Diabetes festgestellt, wobei nur drei Viertel davon auch eine Diagnose erhalten hatten. Von den diagnostizierten Personen gaben nur rund 60 Prozent an, Medikamente einzunehmen, während rund zwei Drittel ihre Erkrankung auch regelmäßig kontrollieren ließen. Eine Diagnose und anschließende Behandlung fanden in städtischen Gebieten, bei älteren Altersgruppen sowie wohlhabenderen Haushalten häufiger statt.

In die Stichprobe der Analyse zur Hypertonieversorgung floßen Daten von rund 1,7 Millionen Teilnehmer_innen mit ein, bei welchen eine gültige Blutdruckmessung vorlag und zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht schwanger waren. Davon hatten mehr als eine von vier Personen (28,5%) Bluthochdruck. Bei etwas mehr als einem Drittel davon (36,9%) wurde Bluthochdruck tatsächlich auch diagnostiziert. Von denjenigen, bei den eine Diagnose gestellt wurde, gaben 44,7 Prozent an, Medikamente einzunehmen. Von den behandelten Personen hatten jedoch nur etwas mehr als die Hälfte (52,5%) den erhöhten Blutdruck unter Kontrolle. Im Hinblick auf die einzelnen Bezirke konnte festgestellt werden, dass es erhebliche Unterschiede zwischen der Diagnose, der Behandlung und der Kontrolle gab. So erhielten fast zwei von drei Personen in allen Bundesstaaten und sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten keine Diagnose. Die Behandlungsraten waren in Süd- und Westindien höher, während sie in anderen Teilen des Landes niedriger ausfielen. Insgesamt waren mehr als 90 Prozent der Erwachsenen mit Bluthochdruck in Indien entweder nicht diagnostiziert, unbehandelt oder hatten trotz Behandlung einen unkontrollierten Bluthochdruck.

Das Forscherteam empfiehlt auf Basis der Ergebnisse zum einen eine bessere Überwachung von Diabetes-Erkrankungen und Bluthochdruck auf Bezirksebene, da diese den staatlichen Gesundheitsverwaltungen helfen kann, besser Prioritäten für bestimmte Maßnahmen zu setzen und die Erreichung der Ziele zu überwachen. Zum anderen sollten gezielte, dezentrale Lösungen zur Verbesserung der Diabetes- und Hypertonieversorgung in Indien entwickelt werden.

„Wir konnten unsere Ergebnisse bereits für Gespräche mit politischen Entscheidungsträger_innen verwenden“, sagt Prof. Sudharsanan. „Es war sehr hilfreich, ihnen die Zahlen für einzelne Staaten vorzulegen. Wir haben dabei festgestellt, dass sie eher bereit waren, mit uns zusammenzuarbeiten, wenn wir ein konkretes lokales Bild liefern konnten.“

 

Zur Publikation „National Estimates of the Adult Diabetes Care Continuum in India, 2019-2021” im Journal „JAMA Internal Medicine”

Zur Publikation „Hypertension Diagnosis, Treatment, and Control in India” im Journal „JAMA Network Open”

Zur Homepage der Professur für Behavioral Science for Disease Prevention and Health Care

 

Kontakt:

Prof. Dr. Nikkil Sudharsanan
Rudolf Mößbauer Professur für Behavioral Science for Disease Prevention and Health Care
Georg-Brauchle-Ring 60/62
80992 München

Tel.: 089 289 24990
E-Mail: nikkil.sudharsanan(at)tum.de
 

Text: Romy Schwaiger
Fotos: „JAMA Internal Medicine”/„JAMA Network Open”/privat