„Mein Schwerpunkt ist die Prävention“ – Interview mit Prof. Dr. Stefanie Klug


Prof. Dr. Stefanie Klug

Zum 1. Juli 2016 wurde Prof. Dr. rer. nat. et med. habil. Stefanie Klug an die Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften auf den neu gegründeten Lehrstuhl für Epidemiologie berufen. Für Prof. Klug ist die Berufung auch eine Heimkehr nach München. Nach dem Abitur verließ Prof. Klug die Stadt und studierte zunächst Biologie in Regensburg sowie an der University of Colorado in Boulder, USA.

Anschließend promovierte Prof. Klug im Jahr 1997 am Genzentrum der Ludwig-Maximilians Universität (LMU). Nach der Promotion absolvierte die Molekularbiologin an der LMU zusätzlich den Studiengang „Master of Public Health“, der für Klug der Einstieg in die Epidemiologie war. Ab 1999 wechselte sie als Postdoc an die International Agency for Research on Cancer (IARC), das Krebsforschungszentrum  der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im französischen Lyon.

Es folgten Stationen an der Universität Bielefeld sowie der Universitätsmedizin Mainz, wo sie 2008 im Fach Epidemiologie zu „Humane Papillomviren und Zervixkarzinom“ habilitierte. Vor der Berufung nach München hatte Klug sechs Jahre die Professur für Tumorepidemiologie am Universitäts KrebsCentrum (UCC) der Technischen Universität Dresden inne.

Frau Prof. Klug, was bedeutet Ihnen der Ruf an die TU München?

"Ich bin darüber sehr glücklich. Die TUM ist in vielen Rankings eine der besten oder sogar die beste deutsche Universität. Und sie bietet als Hochschule sehr viele herausragende Möglichkeiten – beispielsweise auch für Kooperationen. Auch das weitere wissenschaftliche Umfeld in der Stadt ist sehr attraktiv, etwa mit der LMU und dem Helmholtz-Zentrum.

Gleichzeitig habe ich mich sehr gefreut, da ich in München aufgewachsen bin und hier promoviert habe. Ich war immer daran interessiert, nach München zurückzukommen."

Worauf freuen Sie sich mit Blick auf Ihre Arbeit an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften am meisten?

"Nachdem ich zuletzt viele Jahre an medizinischen Fakultäten angesiedelt war, freue ich mich jetzt auf den gesundheitswissenschaftlichen Schwerpunkt. Denn an Universitätskliniken steht natürlich der kurative Ansatz der Patienten immer im Vordergrund. Mein Schwerpunkt ist aber die Prävention. Ich möchte verhindern, dass Krankheiten überhaupt entstehen. Und ich denke, das geht sehr gut an einer solchen Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften.

Und hier ist mir als Epidemiologin auch die Kombination mit dem Sport besonders wichtig. Denn wir haben in den Forschungsergebnissen der letzten Jahre deutlich gesehen, dass Nicht-Aktiv-Sein ein starker Risikofaktor für verschiedenste chronische Erkrankungen ist.

Die Epidemiologie befasst sich mit der Verteilung von Krankheiten in der Bevölkerung sowie auch mit Risikofaktoren und präventiven Faktoren. Und da ist die körperliche Aktivität ein ganz wichtiger präventiver Faktor – neben anderen wie ,gesunde Ernährung‘, ,nicht Rauchen‘, ,wenig Alkohol‘. So vertraut wir damit auch sind, in der Bevölkerung wird das noch viel zu wenig wahrgenommen und umgesetzt."

Sie werden im Rahmen Ihrer Professur versuchen, dies zu ändern?

"Absolut. Mein Schwerpunkt ist vor allem die Krebsepidemiologie, also die Prävention von Krebserkrankungen. Aber die genannten Risikofaktoren sind genauso relevant für andere chronische Erkrankungen, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Das sind sozusagen die Volksseuchen unseres Jahrhunderts. Eines meiner Hauptziele hier an der TUM ist es, dies weiter zu untersuchen und den präventiven Gedanken in der Bevölkerung zu verankern. Denn 30 bis 50 Prozent der Krebserkrankungen könnten durch diese Faktoren, ,mehr Bewegung‘, ,gesunde Ernährung‘, ,nicht Rauchen‘ und ,wenig Alkohol‘ verhindert werden."

Darf das als Plädoyer für Bewegung verstanden werden?

"Ja! Es ist sehr wichtig, sich zu bewegen. Selbst Treppensteigen ist beispielsweise schon eine körperliche Aktivität. Also: Weg von der Couch! Und dann ist es wahrscheinlich relativ egal, was man macht. Regelmäßige, moderate Bewegung ist für viele ausreichend. Es gibt beispielsweise Daten, dass man sich jeden Tag mindestens 30 Minuten so bewegen sollte, dass man ins Schwitzen kommt. Das ist definitiv ein Ziel – auch wenn es nicht sieben Tage die Woche klappt."

Welche Kooperationen streben Sie an?

"Ich denke, dass ich an der Fakultät mit Frau Prof. Oberhoffer und Herrn Prof. Halle sehr gute Anknüpfungspunkte habe, gerade was die Präventionsforschung betrifft. Aber auch mit Frau Prof. Wacker, denn wenn Prävention in der Bevölkerung verankert werden soll, dann muss auch die Diversität berücksichtigt werden – beispielsweise, indem wir unterschiedliche Präventionsansätze für verschiedene Bevölkerungsgruppen entwickeln. Herr Prof. Wackerhage könnte ebenfalls ein sehr interessanter Projektpartner sein, denn der molekulare Aspekt ist auch in der Prävention wichtig. Wir benötigen einfache molekulare Marker, mit denen wir in unseren Studien belastbare Daten und Evidenzen für den Erfolg von Präventionsmaßnahmen liefern können.

Daneben freue ich mich natürlich auch auf die Kooperation mit anderen Personen an der Fakultät sowie mit Weihenstephan und der Medizin."

Auf welche Themen werden Sie in der Lehre den Schwerpunkt setzen?

"Das sind einerseits natürlich die Inhalte der Epidemiologie, aber auch die der Biostatistik und der Forschungsmethoden – was ja sehr eng miteinander zusammenhängt. Da sehe ich primär den Bachelor Gesundheitswissenschaften und den neuen Master Health Science – aber natürlich auch die sportwissenschaftlichen Studiengänge und das Lehramt. Die Methoden der Epidemiologie – wie die der Biostatistik – beinhalten für alle Studierenden relevante Kompetenzen.

Studierende bemerken mitunter erst im Verlauf ihres Studiums, welche Bedeutung Statistik hat. Und ich möchte bereits möglichst früh vermitteln, wofür dies wichtig ist. Dass es ein Werkzeug ist, das vielleicht schon bei der Bachelorarbeit, aber spätestens bei der Masterarbeit absolut notwendig ist. Und hier werden mein Team und ich den Fokus natürlich auf Methoden legen, die besonders relevant und anwenderfreundlich sind. Wir wollen jedenfalls die Bachelorstudenten nicht mit irgendwelchen komplexen statistischen Modellen quälen [lacht]."

Sie konnten bereits ein Team zur Umsetzung der Ziele in Forschung und Lehre zusammenstellen?

"Ja, das ist richtig. Wir haben das große Glück, dass mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Dresdner Teams mit an die TUM gekommen sind. Frau Schülein, sie ist Epidemiologin, und Herr Dr. Schoffer, er ist Statistiker, sowie Frau Röhl, sie betreut momentan unser Sekretariat. Anfang nächsten Jahres folgt noch ein weiterer Statistiker. Zusätzlich sind aktuell einige Stellen ausgeschrieben."

Kontakt:

Prof. Dr. Stefanie Klug, MPH
Lehrstuhl für Epidemiologie
Uptown München, Campus C
Georg-Brauchle Ring 56
80992 München

E-Mail: Sekretariat.Klug(at)tum.de
Telefon: 089 289 24951

Interview: Fabian Kautz
Foto: Eckert/TUM