Beweg was - Beweg Dich!

Wer kennt das nicht aus seiner eigene Kindheit? Man turnt sorglos an Bäumen, spielt gemeinsam mit seinen Freunden, rennt über die Wiese oder tobt auf dem Spielplatz in der Nachbarschaft. Das sind alles schöne Erinnerungen, die man nicht missen möchte.

Leider gibt es aber hier zu Lande viele Kinder, die diese Erfahrungen so nicht machen werden. Denn in Deutschland leiden etwa 5 – 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen an chronischen Erkrankungen, einem angeborenem Herzfehler oder sind an Krebs erkrankt. Genaue Angaben darüber, ob die gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Kindern in den letzten Jahren zugenommen haben, liegen nicht vor. Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher haben allerdings den Eindruck, dass es heute mehr gesundheitlich beeinträchtigte Kinder gibt als früher. Häufig ist der Tagesablauf der Betroffenen von Arztterminen, Untersuchungen und Medikamenten bestimmt. Dabei kommen die altersgemäßen Bedürfnisse der Kinder viel zu kurz. 

Seit langem ist es wissenschaftlich belegt, dass zu einer gesundheitsförderlichen und kindgerechten Entwicklung auch entsprechende körperliche Aktivität und Bewegung gehören. Leider  belegen Studien, dass besonders chronisch kranke Kinder und Jugendliche unter Bewegungsarmut leiden. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Beispielsweise fürchten Eltern negative Folgen aus einer „unkontrollierten“ körperlichen Belastung für ihre Kinder. Unsicherheit und mangelnde Erfahrung auf Seiten der Sportlehrer und Übungsleiter sind oft der Grund dafür, dass die betroffenen Kinder entweder unterfordert oder sogar vom Schulsport oder anderen Bewegungsangeboten ausgeschlossen werden. Zwar ist eine gewisse Vorsicht bei der körperlichen Betätigung chronisch kranker Kinder geboten, dennoch muss den Kindern und Jugendlichen unbedingt der Zugang zu einem regelmäßigen Bewegungsangebot gewährt werden. Denn die Folgen der Bewegungsarmut für die betroffenen Kinder reichen von Übergewicht, Haltungs- und Koordinationsschwächen bis hin zu  psychischen Störungen, Verschlechterung der körperlichen Leistungsfähigkeit, und unter Umständen, zur Verkürzung der Lebenserwartung. 

Angetrieben von dem Wunsch, auch chronisch kranken Kindern und Jugendlichen altersgemäße Bewegungsmöglichkeiten anzubieten, wurden 2011 vom Lehrstuhl für Präventive Pädiatrie der TU München auf dem TUM Campus im Olympiapark München die Kinder- und Jugendsportgruppen „Move it“ für Kinder und Jugendliche im Alter bis 10 Jahre (Kindersportgruppe) und ab 11 Jahre (Jugendsportgruppe) ins Leben gerufen. An diesen Sportgruppen können betroffene Kinder mit verschiedenen chronischen Erkrankungen (wie z.B. kardiologischen und onkologischen Erkrankungen, Adipositas und anderen körperlichen Einschränkungen) teilnehmen und gemeinsam Sporttreiben. Das Anliegen der Gruppen ist, neben der Bewegungsförderung, auch mehr Akzeptanz für chronisch kranke Kinder und Jugendliche im Bereich des Sports zu schaffen und die Ängste der Eltern vor der körperlichen Aktivität ihrer Kinder und auch die Scheu der Sportlehrer vor der Arbeit mit chronisch kranken Kindern abzubauen.

In ihrer Arbeit sehen sich die Kinder- und Jugendsportgruppen primär nicht als Rehabilitationssportangebot, sondern als ein erstes Bewegungsangebot. Die Freude an der Bewegung steht dabei im Vordergrund. Spielerisch werden grundlegende Bewegungsformen vermittelt und Grundtechniken der traditionellen Sportarten erlernt. Muskuläre Dysbalancen werden ausgeglichen, sowie Körperwahrnehmung und richtige Haltung geschult. Die Kinder sollen die Grenze ihrer körperlichen Belastbarkeit erkennen und dieses Wissen auch auf den Alltag übertragen und anwenden. Das Sportangebot soll somit ein erster Schritt in ein "bewegtes Leben" sein, den bekannten Folgen der Bewegungsarmut entgegenwirken und die Lebensqualität chronisch kranker Kinder und Jugendlicher verbessern. Langfristiges Ziel ist,  die Kinder und Jugendlichen auf die Teilnahme an Breitensportangeboten der Sportvereine vorzubereiten.

Um nachhaltig mehr Akzeptanz zu schaffen und den integrativen Gedanken zu wahren, sind in den integrativen Sportgruppen neben den erkrankten Kindern auch herzlich alle gesunden Geschwister und Freunde zum gemeinsamen Sporttreiben eingeladen.