Prof. Dr. Stefanie Klug und Kolleg_innen des Instituts für Allgemeinmedizin der LMU veröffentlichen Review zu Influenza-Impfquoten bei chronisch Kranken


Das "Deutsche Ärzteblatt" wird an alle Ärzte in Deutschland verschickt und ist mit Abstand die auflagenstärkste Medizinzeitschrift Deutschlands

Prof. Dr. Stefanie Klug, Ordinaria des Lehrstuhls für Epidemiologie

Laut Robert-Koch-Institut gibt es in der Saison 2019/20 bislang rund 120.000 labordiagnostisch bestätigte Grippefälle in Deutschland, mit 202 Todesfällen. Besonders betroffen von einer Infektion sind Personen mit chronischen Vorerkrankungen. In diesem Zusammenhang hat Prof. Dr. Stefanie Klug, Ordinaria des Lehrstuhls für Epidemiologie, zusammen mit Kolleg_innen vom Institut für Allgemeinmedizin der LMU ein systematisches Review zu Maßnahmen in der Allgemeinmedizin im Hinblick auf die Steigerung der Influenza-Impfquoten bei chronisch Kranken im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht. Die medizinische Fachzeitschrift ist das offizielle Organ der Bundesärztekammer sowie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und hat einen Impact Factor von 4,469.

„Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut gibt Impf-Empfehlungen für ältere Menschen ab 60 Jahren und Patienten mit chronischen Vorerkrankungen heraus. Leider sind die Impfquoten vor allem in den Risikogruppen nicht so hoch, wie sie sein sollten“, erklärt Prof. Klug die Ausgangslage. „Aus diesem Grund war das Ziel dieser Arbeit, Maßnahmen in der Allgemeinmedizin zu identifizieren, mit denen die Influenza-Impfquoten unter chronisch Kranken erhöht werden können.“

Für die Durchführung wurde das PRISMA-Statement („Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses“) verwendet. Hierbei handelt es sich um einen evidenzbasierten Mindestsatz von Elementen, der Autoren und Autorinnen dabei helfen soll, eine breite Palette systematischer Überprüfungen und Metaanalysen zu melden, die Nutzen und Schaden einer Gesundheitsintervention bewerten.

Insgesamt wurden 15 randomisierte kontrollierte Studien in das Review aufgenommen. Diese untersuchten ein breites Spektrum verschiedener Patientenpopulationen. Elf Publikationen befassten sich mit Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen, vier Studien behandelten chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) oder Asthma.

Die Kategorisierung der Interventionen wurde in zwei Bereiche unterschieden. Einen Fokus auf medizinisches Personal hatten sieben Arbeiten. Fortbildungen für Praxisteams wurden dabei in drei Studien untersucht. Automatische Erinnerungssysteme für Ärzte mit gedruckten Impfempfehlungen auf Dokumentationsbögen kamen in zwei Publikationen vor. Die Kompetenzerweiterung für medizinisches Fachpersonal wurde ebenfalls zweimal untersucht.

Beim zweiten Bereich handelte es sich um den Fokus auf Patient_innen. Dazu wurden die acht eingeschlossenen Publikationen nach der Form der Bereitstellung unterteilt. Zu den Methoden gehörten Erinnerungs-SMS, -postkarten und -briefe, eine edukative Broschüre sowie ein finanzieller Anreiz.

Insgesamt wiesen patientenzentrierte Studien tendenziell größere Stichproben auf. Arbeiten mit Fokussierung auf medizinischem Personal zeigten dagegen eine höhere Qualität.

Als Ergebnis stellte das Forscherteam fest, dass Fortbildungen für Praxisteams mit dem Schwerpunkt auf einer bestimmten Erkrankung die Impfquoten um bis zu 22 Prozent steigerten. Den größten Effekt dagegen zeigte ein finanzieller Anreiz. Zudem erreichten Erinnerungs-SMS maximal eine absolute Verbesserung um 3,8 Prozent. Verglichen mit komplexen Interventionen zeigten einfache Interventionen im Review eine höhere Qualität und größere Effekte.

Folgende Kernaussagen konnten daher abschließend getroffen werden:

  • Weniger als die Hälfte der chronisch Kranken in Deutschland erhält eine Grippeschutzimpfung.
  • Die Allgemeinmedizin ist für die Durchführung von Interventionen zur Verbesserung dieser Situation geeignet.
  • Fortbildungen für Praxisteams mit Fokussierung auf bestimmte chronische Erkrankungen könnten effektiver als impfzentrierte Ansätze sein.
  • Automatische Patientenerinnerungssysteme sind empfehlenswert, werden allerdings in Deutschland bislang nur wenig angewendet.
  • Erinnerungssysteme für Ärzte sollen mit einer hohen Zuverlässigkeit implementiert werden.
     

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Kontakt:

Prof. Dr. Stefanie Klug
Lehrstuhl für Epidemiologie
Georg-Brauchle-Ring 56
80992 München

Telefon: 089 289 24950
E-Mail: stefanie.klug(at)tum.de

Text: Romy Schwaiger
Fotos: Deutsches Ärzteblatt/Lehrstuhl für Epidemiologie