Prof. Dr. Schwirtz und PD Dr. Link in arte-Beitrag „Xenius: Richtig trainieren – Sport-Apps vs. Personal Trainer“


Arte ist ein öffentlich-rechtlicher Rundfunkveranstalter mit Hauptsitz im französischen Straßburg

Prof. Dr. Ansgar Schwirtz, Leiter der Professur für Biomechanik

Dr. Daniel Link, Privatdozent am Lehrstuhl für Trainingswissenschaft und Sportinformatik

Wie empfehlenswert sind Sport- und Fitness-Apps, mit denen man zuhause eigenständig trainieren kann? Dieser Frage wird in einem TV-Beitrag des Senders „arte“ mit dem Titel „Xenius: Richtig trainieren - Sport-Apps vs. Personal Trainer“ nachgegangen. Darin werden verschiedene Apps wie „Seven – 7 Minuten Training“, „Nike Training“, „Daily Yoga“ oder „Freeletics“ vorgestellt und gezeigt, ob sich diese für das Home-Workout eignen.

Prof. Dr. Ansgar Schwirtz, Leiter der Professur für Biomechanik, äußert sich im Beitrag zu den Inhalten der Fitness-App „Sweat“ der australischen Personal Trainerin und Influencerin Kayla Itsines. Diese basiert auf einem sechstägigen Trainings-Programm pro Woche, wobei jedes Workout 28 Minuten dauert. Ein gesamter Zyklus dauert zwölf Wochen. „Die App gibt vor, dass an jedem Tag trainieren soll und gewährt nur einen Tag Pause pro Woche. Das Pensum wird dann von Woche zu Woche gesteigert. Einen Trainingsplan würde man so aber normalerweise nicht angehen, denn das ist sicherlich zu intensiv. Jemand, der vorher nicht trainiert hat, wird mit einem abwechselnden Programm von einem Tag Training und einem Tag Pause deutlich besser zurechtkommen und gesünder leben.“

Laut Statista nutzten im Jahr 2017 rund 3,4 Millionen Nutzer in Deutschland Fitness-Apps. Laut einer Prognose soll diese Zahl bis zum Jahr 2022 auf rund 6,6 Millionen Nutzer ansteigen. Jedoch fragen die wenigsten Apps den individuellen Gesundheitszustand und Fitnessgrad ab.

Ein weiterer Kritikpunkt liegt darin, dass Sport- und Fitness-Apps nicht auf die individuellen Bedürfnisse der trainierenden Person reagieren kann. „Wenn jemand zwischendurch eine dreiwöchige Pause einlegt, dann kann man nicht wieder dort einsteigen, wo man aufgehört hat“, so Prof. Schwirtz. „Die App müsste dann einen Rücksprung erlauben und beide Seiten müssten positiv darauf reagieren. Sowohl die App als auch die trainierende Person müssten erkennen, dass in den drei Wochen vermutlich eine Verschlechterung eingetreten ist.“

Auch in der Sportwissenschaft wird bereits regelmäßig mit digitalen Analyseprogrammen gearbeitet. In dem TV-Beitrag testen Philipp Köchling, Assistant Coach beim FC Bayern Basketball, sowie der Spieler Erol Ersek die Basketball-App „Home Court“, die künstliche Intelligenz zur Aufzeichnung und Verfolgung von (Fehl-)Würfen und Standorten verwendet. Die App zerlegt dabei die Würfe der Spieler bis ins kleinste Detail.

Dr. Daniel Link, Privatdozent am Lehrstuhl für Trainingswissenschaft und Sportinformatik, erläutert auf "arte" die Funktionsweise dieser App: „Es handelt sich hierbei um Verfahren der automatischen Bilderkennung. Anhand des Videos kann ein Algorithmus bestimmen, welche Bildbereiche sich bewegen und welche von Bild zu Bild konstant bleiben. Die sich bewegenden Bereiche entsprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Ball und dem Spieler, während der Hintergrund konstant bleibt. Dazu muss die App natürlich noch die Strukturen am Boden, die Linien, das Brett und den Korb erkennen. Das funktioniert im Wesentlichen über die Erkennung von Kontrasten. Diese Technik findet sich in ganzen vielen Bereichen des Sports wieder. Auch die Analyse von Laufparametern von Spielern in den Fußball-Bundesligen, die durch Kameras in den Stadien aufgezeichnet werden, vertraut auf diese Funktionsweise.“

Doch nicht nur im Sport werden solche Verfahren der künstlichen Intelligenz eingesetzt. „Diese Technologien sind in ganz vielen Bereichen des modernen Lebens zu finden“, erklärt PD Dr. Link. „Das autonome Fahren ist ein gutes Beispiel dafür. Erste selbstfahrende Autos suchen sich bereits ihren Weg durch die Stadt und können beispielsweise an roten Ampeln halten. Die Technologien, um einen Ball oder eine rote Ampel zu erkennen, sind im Prinzip ähnlich – nur sind die Konsequenzen einer Falschklassifikation im letztgenannten Fall natürlich gravierender.“
 

Zum TV-Beitrag „Xenius: Richtig trainieren - Sport-Apps vs. Personal Trainer“ auf arte.tv

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Kontakt:

Prof. Dr. Ansgar Schwirtz
Professur für Biomechanik
Georg-Brauchle-Ring 60/62
80992 München

Telefon: 089 289 24580
E-Mail: Ansgar.Schwirtz(at)tum.de

PD Dr. Daniel Link
Lehrstuhl für Trainingswissenschaft und Sportinformatik
Georg-Brauchle-Ring 60/62
80992 München

Telefon: 089 289 24498
E-Mail: Daniel.Link(at)tum.de

Text: Romy Schwaiger
Fotos: „arte“/Professur für Biomechanik/Lehrstuhl für Trainingswissenschaft und Sportinformatik