Podiumsdiskussion

Podiumsdiskussion "(K)ein Vorteil durch Prothese!?"

Die Podiumsdiskussion greift ein sehr aktuelles sportwissenschaftliches Thema auf, mit dem Ziel insbesondere die beiden Seiten von Innovation und Technologie aufzuzeigen. Folgende Fragen sollen hierbei diskutiert und bestenfalls auch beantwortet werden:

  • Ist es heute technologisch möglich, Prothesen derart zu konstruieren, dass sie genauso gut oder vielleicht sogar besser funktionieren als menschliche Gliedmaßen?
  • Ist es ethisch vertretbar, mit solchen Prothesen im Wettkampf gegen Nicht-Prothesenträgern anzutreten?

Daraus resultiert die sportpolitische und gesellschaftliche Zukunftsfrage:

  • Ist eine Vergleichbarkeit von Leistungen behinderter und nicht-behinderter Sportler_innen möglich? Falls ja, wie könnte es konkret bei Wettkämpfen aussehen? Wenn nicht, wie sähe Inklusion im Leistungssport aus? 


Unter Leitung der ARD Sportschau-Moderatorin Julia Scharf werden sich prominente Gäste diesen Fragen stellen und etwaige Lösungswege diskutieren.

Als Impuls sowie zum besseren inhaltlichen Verständnis, erläutern die beiden Wissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Potthast (Biomechanik, DSHS Köln) und Prof. Dr. Michael McNamee (Sportethik, Swansea Universität) ihre Sichtweisen jeweils zu Beginn in Kurzvorträgen.

Die beiden Experten werden anschließend gemeinsam mit dem Athleten Markus Rehm (Paralympics-Goldmedaillengewinner) sowie dem Präsidenten des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) Friedhelm Julius Beucher ihre Positionen zum Thema "(K)ein Vorteil durch Prothese?!" ausloten und mit dem Auditorium diskutieren.

Mit dieser Veranstaltung soll das komplexe Thema des Kongresses "Innovation und Technologie" in einer spezifischen Fragestellung besonders aufgegriffen und das Spannungsfeld für die zukünftige Forschungsarbeit dargestellt werden.

Diskutant_innen auf dem Podium

Friedhelm Julius Beucher

Foto: picture alliance/DBS

Friedhelm Julius Beucher ist seit Juni 2009 Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS). In dieser Position war er zugleich Delegationsleiter der deutschen Mannschaft bei den Paralympischen Spielen 2010 in Vancouver, 2012 in London, 2014 in Sotschi und zuletzt auch 2016 in Rio de Janeiro.

Zuvor war Beucher bereits von 2004 bis 2009 Vorsitzender des Kuratoriums im Deutschen Behindertensportverband. Zudem besetzte er das Amt des Vizepräsidenten Special Olympics Deutschland von 2005 bis 2009. Die Wurzeln seines langjährigen Engagements rund um den Behindertensport liegen bereits Anfang der 1990er Jahre. Als damaliger Bundestagsabgeordneter besuchte der Bundesverdienstkreuzträger seit 1992 fast alle Paralympischen Spiele und schob seit 1992 Initiativen für den Behindertensport im Deutschen Bundestag an.

1990 wurde Friedhelm Julius Beucher, der seit 1967 Mitglied in der SPD ist, in den Bundestag gewählt, dem er zwölf Jahre lang angehörte. Von 1998 bis 2002 war der heutige DBS-Präsident Vorsitzender des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn arbeitete er zunächst als Grundschullehrer, dann als Fachleiter und schließlich als Schulleiter und kehrte auch nach seiner politischen Karriere wieder in seinen Beruf zurück: Beucher war bis zu seinem Amtsantritt als umtriebiger Präsident des Deutschen Behindertensportverbands als Rektor der Integrativen Montanusschule in Burscheid tätig. Nun setzt er sich voller Leidenschaft für die Belange von Sportler_innen mit Behinderung ein.

Prof. Dr. Mike McNamee

Mike McNamee ist Professor für angewandte Ethik an der Hochschule für Technik und Direktor des Forschungsinstituts für Ethik und Recht an der Swansea University, Wales, UK. Er hat sowohl einen Abschluss in Philosophie als auch in Sportwissenschaft. In den vergangenen 25 Jahren hat er den Bereich der Sportethik als internationales Forschungsgebiet vorangetrieben.

Prof. McNamee ist Autor oder Herausgeber von mehr als 150 Artikeln und Aufsätzen und 16 Büchern, zuletzt "Sport, Medicine, Ethics" (Routledge, 2016) und derzeit Co-Autor eines anderen Buches, das diese Anliegen verbindet "Bioethics, genetics, and sport". Er ist Gründungsredakteur der internationalen Zeitschrift "Sport, Ethics and Philosophy" und Co-Redakteur der Routledge-Buchserie "Sport Ethics". Seine Arbeit zu Themen wie Anti-Doping, Bioethik und Essstörungen im Sport wurde von verschiedenen nationalen Forschungsräten und der Europäischen Kommission finanziert. Er ist Programmdirektor eines Konsortiums der europäischen Universitäten in einem neuen Erasmus+ finanzierten Masterstudiengang Sportethik und Integrität (www.maisi-project.eu).

Prof. McNamee ist Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler Gremien wie der Europäischen Akademie für Sportwissenschaften, dem Internationalen Rat für Sportwissenschaft und Bewegungserziehung sowie aktuelles Mitglied des Ethik-Gremiums der WADA.

Prof. Dr. Wolfgang Potthast

Prof. Dr. Wolfgang Potthast studierte Physik an der Universität Köln und Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln. Im Jahr 2005 promovierte er in Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule. Nach der Tätigkeit als Senior Researcher am Institut für Biomechanik und Orthopädie an der Deutschen Sporthochschule wechselte Potthast 2010 zum Institut für Sport- und Sportwissenschaften am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), wo er eine Professur für Bewegungswissenschaft und Biomechanik hielt. Seit August 2012 ist Potthast in der klinischen Biomechanik an der Deutschen Sporthochschule Köln tätig. Seine Forschung konzentriert sich vor allem auf Belastungen und die Reaktion des menschlichen Muskel-Skelett-Systems auf diese Belastungen. Sein Hauptforschungsschwerpunkt ist die Wechselwirkung zwischen dem Muskel-Skelett-System und der Technologie in Sport sowie klinisch relevanten Forschungsfragen. Die Forschung im Paralympischen Sport im Allgemeinen und Sprinten und Springen mit Prothesen ist eine logische Konsequenz dieses Profils.

Prof. Potthast ist derzeit Vorsitzender der Footwear Biomechanics Group (FBG) und arbeitet seit 2010 als Vizepräsident für Public Relations für die Internationale Gesellschaft für Biomechanik im Sport (ISBS). Dieses Jahr ist er Ausrichter der 35. Internationalen Konferenz über Biomechanik im Sport des ISBS.

Markus Rehm

Foto: Rafael Krötz

Markus Rehm ist ein absoluter Ausnahmeathlet im paralympischen Sport. Als 14-jähriger Wakeboarder verlor er 2003 bei einem Unfall im Rahmen eines Wakeboard-Trainings sein rechtes Bein unterhalb des Knies. Er kehrte jedoch schnell wieder zum Sport zurück und wurde 2005 deutscher Vize-Jugendmeister im Wakeboarden. Danach widmete er sich aber mehr und mehr der Leichtathletik und das mit Erfolg. Als dreifacher Paralympicssieger, Weltrekordhalter im Weitsprung sowie Welt- und Europameister ist er aktuell das Non-Plus-Ultra in seiner Startklasse. Auch wenn der paralympische Sport an Bedeutung gewonnen hat, engagiert sich Markus stark für das Thema Inklusion und kämpft für Möglichkeiten gegen nicht-gehandicapte Sportler_innen in Wettkämpfen antreten zu dürfen. Neben seiner sportlichen Karriere ist er Orthopädietechniker-Meister, sowie Speaker zu den Themen Inklusion, Motivation und Willensstärke.

Julia Scharf

Julia Scharf studierte von 2001 bis 2006 an der TU München Sportwissenschaften mit dem Schwerpunkt "Medien und Kommunikation". Ihre Diplomarbeit schrieb die Münchnerin bei Prof. Hackforth und Prof. Schaffrath zum Thema "Die mediale Vermarktung von Randsportarten und deren Inszenierung im TV". Die Arbeit wurde mit der Jahrgangsbestnote 1,7 benotet.

Nach ihrem Studium absolvierte die Moderatorin ein Volontariat beim Münchner Zeitungsverlag (Merkur/tz). Direkt im Anschluss bekam Julia Scharf ein Angebot von SPORT1. Dort moderierte sie - noch beim Vorgänger DSF - diverse Sportsendungen. Für den Telekom-Sender "Liga total" war sie als Interviewerin in der Fußball Bundesliga tätig. Im Jahr 2011 wechselte Julia Scharf zum SWR und wurde auch direkt für ARD-Sportsendungen eingesetzt, u.a. beim Sportteil in den Tagesthemen und im Wintersport. Seit 2014 moderiert sie die Sportschau aus Köln und ist als Interviewerin beim Fußball zu sehen. Im Winter moderiert sie mit Expertin Maria Höfl-Riesch die Rennen des alpinen Skiweltcups. Seit 2016 ist die TUM-Absolventin zusätzlich für den Bayerischen Rundfunk tätig und moderiert dort die Kult-Sendung "Blickpunkt Sport" am Montag Abend.

Förderer

Sponsoren